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Farben des Budo Gi und Obi In allen Bereichen der modernen japanischen Kampfsportarten findet man eine Gliederung der einzelnen Schüler oder Meistergrade durch ein farbiges Graduierungs-System – getragen als Gürtel. Die Abstufung durch Farben ermöglicht den Schülern eine optische Einschätzung der Leistung der anderen Trainierenden, sie gibt Aufschluß über Wissensstand und Reifegrad, spornt zum Fortschritt zur nächsten Stufe an und erleichtert das Eingliedern in das Rangsystem innerhalb eines Dojo oder Systems. Ähnlich wie bei der Armee lernen die „Neuen“ die Abzeichen der einzelnen Ränge anfangs ziemlich schnell und finden so ihren Platz in der Gruppe – ihnen sind die Farben von Anfang an vertraut. Doch warum gibt es diese Abstufung und was bedeutet sie: Eine beliebte Erklärung
dieser Gürtelfarben ist, daß der Obi (Gürtel) des Schüler
,beginnend mit einem weißen Gürtel, sich mit den Jahren mühevollen
Trainings langsam braun und nach entsprechender Reife dann endlich
schwarz färbt. Die verschiedenen farbigen Gürtel der Schülergrade
in Judo, Karate oder Ju Jitsu sollten so diesen langen Weg der
Ausbildung sinnbildlich nachvollziehen. Traditionell kannten die Japaner bis Ende des 19. Jhdt. keine Leistungsklassen der Kriegskünste, welche durch ein Gürtelsystem unterschieden wurden. Als Erster setzte Dr. Kano Jigoro, der Begründer des modernen Judo ein 2-Rangsystem in seiner neuen Schule, dem Kodokan in Tokyo, ein. Er schuf zwei Trainingsgruppen welche er Mudansha (Nichtgraduierte) und Yudansha (Graduierte) nannte. Damit setzte er sich über alle klassischen Rangsysteme der Kampfkünste hinweg, welche lediglich die Einteilung in Shoden (Grundwissen), Chuden (Erweiterte Techniken), Okuden (Geheime Techniken) und Menkyo (Vollständiges Wissen) kannte. In den klassischen Systemen waren die Bedingungen zum Erhalt einer Lizenz sehr verschieden und es gab auch keine Prüfungen nach modernen Maßstäben. Wenn die Schüler im Laufe der Zeit einen gewissen Grad der Ausbildung absolviert hatten, bekamen sie von ihren Lehrern das Zertifikat über den Abschluß in Form eines handschriftlichen Briefes überreicht. Bei der Präsentation des Menkyo Kaiden wurde sehr oft ein Densho (Manuskript), eine Bild- oder Schriftrolle mit Darstellungen der Techniken oder Geheimnissen der Schule, übergeben. Diese Illustrationen wurden meist verschlüsselt oder abstrahiert dargestellt, so daß nur Eingeweihte des Schulsystems, also Menschen mit Menkyo-Wissen, die Texte deuten konnten. Dieses Verfahren bildete die Sicherheit das schuleigene Wissen nicht nach außen dringen zu lassen und dieses unverfälscht weiter zu vererben. So wurden die Densho-Rollen häufig von einer Generation Lehrer an die nächsten weitergegeben. Dr. Kano, nicht nur
Experte in den Kampfkünsten sondern auch Verfechter der aufkommenden
Sportbewegung im Japan, bildete mit seinem 2-Rangsystem ab 1883 eine
eher sportlich als kriegerisch orientierte Hierarchie. Eventuell
versuchte er dem Judo mit seiner neuen Graduierung ein für Schüler
leichter zu überblickendes Gefüge zu verleihen, bzw. die Entwicklung
der Studenten so deutlicher zu machen und deren
Ehrgeiz noch mehr anzuspornen. Die ersten Shodan (1. Grad
Yudansha) waren die bekannten Judoka Tomita und Saigo. Zu dieser Zeit
nahm Dr. Kano noch alle Prüfungen im Kodokan persönlich ab, er
kannte seine Schüler vom täglichen Training und wußte um Kenntnis
und Persönlichkeit seiner Studenten. Die Graduierung nach Farben
wurde im Kodokan jedoch erst ab 1887 eingeführt, das heißt, vor
diesem Jahr konnte man keine Schüler mit Schwarzgurt trainieren
sehen. Die optische Unterscheidung von Anfängern und
Fortgeschrittenen durch farbige Bänder war in Japan schon vor Dr.
Kanos Judo bekannt – allerdings nicht in den Kriegskünsten. Im
japanischen Schulsport, zu dem auch Dr. Kano viel durch Studien und
Engagement beitrug, unterschied man z.B. bei Schwimmwettkämpfen durch
farbige Bänder zwischen den einzelnen Leistungsstufen. Eventuell
entlehnte er sein neues Graduierungssystem hier. Eine ähnliche
Entwicklung erfuhr auch der rot-weiße Gürtel höherer
Dan-Graduierungen in einigen Budodisziplinen. Rot und Weiß sind seit
Frühzeiten symbolträchtige Farben in der japanischen Geschichte. Weiß
bedeutet Tod, Trauer, Stille und Frieden – Rot steht für Leben,
Energie, Kraft und Liebe. Doch unabhängig dieser Gegenpole bezieht
sich diese Kombination auf eine historische Begegnung der wohl
bekanntesten Adelsgeschlechter, die Japan je hervorgebracht hat –
Taira und Minamoto. Diese rieben sich in den Genpei-Kriegen des 12.
Jhdts. fast vollständig auf und prägten dadurch die weitere
Geschichte Japans. Die Clanfarben waren für die Minamoto weiße und für
die Taira rote Banner. Somit gaben sie wohl den Anstoß für den
ewigen Zwist zwischen Rot und Weiß in der japanischen Kultur. Jahre nach der Gründung
des Kodokan, als Funakoshi Gichin Kontakt zu Dr. Kano bekam, übernahm
er das Gürtelprinzip des Judo ebenso für sein neu in Japan eingeführtes
Karate-System. Der typische Judo- bzw. Karateanzug und die farbigen
Obi (Gürtel) läuteten somit nicht nur die Geschichte der modernen,
sportlichen Kampfkünste ein sondern prägte auch optisch das weltweit
bekannte Bild des japanischen Budo. Mit der Zeit übernahmen dann auch
viele Koryu-Systeme die Mode der modernen Kriegskünste und kleideten
sich in Kendo- oder Judouniformen. Bis heute haben die einzelnen, großen
Kampfkünste jedoch fast alle eigene Varianten eines Kampfanzuges
hervorgebracht, welche den jeweiligen Besonderheiten der
Bewegungsmuster angepaßt wurden. Stoffe und Materialien wurden nach
Belastbarkeit und Reisfestigkeit gewählt, Waffensysteme formten Gi
mit engeren Ärmeln und verschließbarem Revers usw. Man kann also annehmen, daß der Gi von
Schnitt und Farbe eine modernere Entwicklung ist, die praktische Überlegungen
mit einem psychologischen Gedanken verband: Script: Hendrik Haas |