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| Hozoin
Ryu Mönche und Lanzen Hozoin Kakuzenbo IneiAls
Eiji Yoshikawas Werk „Musashi“ im Westen bekannt wurde, erfuhren
neben dem Helden auch einige andere echte historische Figuren
Unsterblichkeit. Einer von ihnen war der alte Mönch Inei, ein Meister
des Speerkampfes und ein wirklich weißer Mann in Fragen des Geistes. „...befleißigte sich im Studium des Stils, dem er sich seit dem Frühling gewidmet hat und vollständig übermittelt wurde...“ Sicher
nahm auch der Gebrauch des Speers in der Shin kage ryu Einfluß auf
die Techniken des Hozoin Stils. Doch die eigentliche Besonderheit, die
die Schule Inei zu verdanken hat war der Einsatz einer speziellen
Lanzenart – des Jumonji yari (Kreuz Speer) – einer Waffe mit zwei
gleichen, seitlich gebogenen Beiklingen . Obwohl diese Form von
Speeren schon vorher bekannt war führt die Legende Hozoin Inei als
deren Erfinder auf. Sie besagt, daß er des Nachts am Sarusawa no ike,
einem Teich südlich seines Haustempels Kofuku ji seine gerade Lanze
mit dem Spiegelbild des Halbmondes im Wasser kreuzte und so auf die
Idee zu dieser Waffenform kam. Geschichten dieser Art sind innerhalb
der Schulen sehr populär und stützen und legitimieren den eigenen
Stil.
Takada Matabei Yoshitsugu Die
dritte bedeutende Persönlichkeit, die der Schule ihren Stempel aufdrückte,
war Takada Matabei Yoshitsugu (1590 – 1671?), einer der ältesten Schüler
von Nakamura. Eventuell entstammte er der kleinen Ortschaft Takada
(heute Yamatotakada) in der Nähe von Nara. Er studierte neben der
Hozoin ryu noch andere Kampfsysteme, wie z.B. Kashima shin ryu und
erweiterte so sein Wissen in den Kriegskünsten. Als er die Schule von
seinem Vorgänger Nakamura übernahm modernisierte er das System in
mehreren Punkten. Seine Linie, die Hozoin ryu Takada ha, verfügt über
einige technische Raffinesse und zusätzliche Kata gegenüber dem
Muttersystem. In der Form der Takada ha hat die Hozoin ryu bis heute
überlebt. Außer ein paar Fakten ist wenig über das Leben Takadas bekannt, aber zwischen den Zeilen gelesen ergeben sich einige Punkte, die Rückschlüsse zulassen. So weiß man, daß er als 25jähriger auf Seiten der Toyotomi bei der Belagerung von Osaka (Sommerfeldzug 1615) teilnahm und mit 47 Jahren bei der Shimabara Rebellion (1637 – 1638) auf Seiten seiner ehemaligen Feinde kämpfte. Die Besonderheit beide Kampagnen war, daß bei beiden Parteien große Gruppen von Ronin (herrenlose Samurai) und Veteranen der Reichseinigungs-Kriege teilnahmen. So ist anzunehmen, daß Takada selbst Ronin war oder einer Familie entstammte, die 1600 bei Sekigahara, der finalen Schlacht um die Macht Japans, auf Seiten der Verlierer stand. Mit 10 Jahren war er scheinbar noch zu jung um dort an den Kämpfen teilzunehmen, doch wahrscheinlich wurde sein Clan im Krieg aufgerieben oder danach entmachtet. Auf jeden Fall schien er aktiv die Tokugawa-feindlichen Kräfte zu unterstützen oder er sympathisierte mit einem Clan, welcher die Machtkämpfe nicht überstand. Sein späterer Wandel, bei der Niederschlagung des Christenaufstandes von Shimabara, könnte mit seiner Anstellung als Fechtlehrer in einem der vielen Clans (Familie unbekannt) zusammenhängen. Mit der Verbindung zu einem Fürstenhaus entstand zwangsläufig auch ein neues Loyalitätsverhältnis. Angeblich soll sich Takada während der Niederschlagung sogar ausgezeichnet haben – nicht umsonst galt er als der beste Speerkämpfer seiner Zeit. 1976 kehrte die in Tokyo ansässige Hozoin ryu nach 400 Jahren wieder an den Ort ihrer Entstehung, nach Nara, zurück, nachdem sie eine letzte historische Rolle in den Shinsengumi-Revolten der frühen Meijizeit gespielt hatte. Einige bekannte Führer der Bewegung, wie Tani Sanjuro und Harada Sanosuke waren Angehörige der Ryu. Selbst die Former des modernen Aikido sehen einen Teil ihrer Wurzeln in dieser Schule (Takeda Sokaku). Heute kann sie auf eine Linie von vielen Generationen zurückblicken und ist wohl die berühmteste Speerschule Japans. Kagita Chubei avancierte 1991 zum 20. Großmeister der Hozoin und führt seither die Tradition fort. Die Mönche des Kofuku ji Obwohl bei Berichten über Kakuzenbo Inei, Gründer der Hozoin ryu, öfters der Eindruck entsteht er wäre eine Ausnahmneerscheinung innerhalb der Mönche von Nara, erweist sich dieser Fakt als falsch. Inei interessierte sich nicht nur aus persönlicher Liebhaberei und durch seine Freundschaft mit dem Hause Yagyu für die Kriegskünste. Ebensowenig waren die Mönche des Kofuku ji Tempels friedliebende Menschen, die sich nur um Religionsfragen oder geistige Dinge kümmerten... Bereits
seit Gründung des Tempels im Jahre 710
etablierte sich die Anlage als eine der führenden buddhistischen
Zentren Japans. Mit dem Erstarken der Tempel als politische Macht
wurden zunehmend militärische Einheiten rekrutiert, die zum Schutz
der Klöster und zur Durchsetzung derer Interessen eingesetzt wurden.
So beherbergten die Tempel ab dem 10. Jhdt. eigene Heere an
bewaffneten Mönchen, die ihren weltlichen Gegenspielern, den Samurai,
militärisch ebenbürtig waren (erste datierte Belege für Nara ab
981). Diese Akuso (Rauhe Mönche) oder Sohei (Mönchskrieger)
erlangten solch eine große Macht, daß die befeindeten Fürstenhäuser
um ihre Unterstützung in kriegerischen Auseinandersetzungen buhlten.
Die Kunst der HozoinDie Lanze, welche die Hozoin ryu einsetzt ist ein Kama yari mit einer Klinge von 28 cm und Beiklingen von 9 cm Länge. Mit einer Waffe dieser Form lassen sich gegenüber einem geraden Speer komplexe Kampftechniken ausführen. Stoßtechnik (Tsuki) kombiniert mit horizontalen und vertikalen Offensiv- und Defensivtechniken sind Spezialitäten der Schule. Die Beiklingen der Waffe eignen sich vorzüglich zum blockieren und ablenken von feindlichen Attacken. Zug-, Angel- und Hackbewegungen mit dem Yari sind Techniken des Stils, welche die Fülle an taktischen Möglichkeiten aufzeigen. Ein
japanisches Poem, als Lobpreisung der Schule, beschreibt die
verschiedenen Wege des Speeres in der Hozoin ryu: Eine
der Charakteristiken der Schule sind schnelle Aktionen aus einer
passiv wirkenden Ausgangsstellung, bei welcher der Speer aus einer unteren
Position startet. Hozoin ryu Techniken sind gegenüber anderen
Speer-Schulen sehr raumgreifend und wirken aggressiv und dynamisch. Die Kata der Hozoin ryu Die 35 Kata der Hozoin ryu gliedern sich in jeweils 14 originale Omote- (Basis, offensichtliche Techniken) und 14 Ura-Formen (Fortschritt, verdeckte Techniken), sowie 7 Shin-Formen, (Neue Kata), die auf Takada Matabei zurückzuführen sind. Die folgenden Übersetzungen der Kata-Namen verzichten absichtlich auf eine deutsche Sinngebung oder Deutung, da Namen in den Kriegskünsten oft auch Metapher oder Umschreibungen sind, die nur Eingeweihten der Ryu offenbart sind. Omote und Ura (jeweils 14 Kata gleichen Namens)
Shin-shikake (7 neue Kata)
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