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| Kumi uchi & Ju jutsu Nahkampf-Traditionen des alten Japan Erste Aufzeichnungen über den
Nahkampf finden sich bereits in den ältesten Texten der japanischen
Geschichte, dem Kojiki (Aufzeichnungen alter Begebenheiten) und der
Nihon Shoki (Chronik Japans). Im Laufe der
Jahrhunderte sind viele verschiedene Ryuha (Stile und Zweige) des
Kumiuchi entstanden, welche die unterschiedlichsten Namen zur
Beschreibung ihrer Inhalte verwendeten. Bis zur Mitte der Edo-Periode
(1603-1868) stellte der Nahkampf nur einen kleinen Teil der
Kampfkunst-Lehrpläne dar. Die meisten Koryu (alten Traditionen)
beinhalteten den Gebrauch von mehreren Waffen und das Üben diverser
Disziplinen. Weshalb sie oftmals auch als Sogo Bujutsu (komplette
Kampftechnik) bezeichnet werden.
Das Yoroi Kumiuchi ist eine klassische Form des Katchu Bujutsu, der Kampftechnik in voller Rüstung. Laut Densho, den Überlieferungs-Schriftrollen verschiedener Ryu (Schulen) gehen die Anfänge des Yoroi Kumiuchi zurück bis in die Muromachi-Periode (1333-1568). Die Hochzeit des Yoroi Kumiuchi war jedoch das Sengoku Jidai (Zeitalter der kämpfenden Provinzen, 1477-1573). Wie bereits erwähnt
stellte das Yoroi Kumiuchi meist nur eine Disziplin in einem breitbändigen
Curriculum der Bujutsu-ryu (Kampfkunst-Schulen) dar. Die anderen
Disziplinen waren den Waffen gewidmet, da dies die gebräuchlichsten
Gegenstände eines Bushi waren. Waffen wie das Schwert (Tachi), der
Kyu (Bogen) und das Yari (Speer) waren zu dieser Zeit am häufigsten
vertreten. Hatte ein Krieger jedoch einmal seine Waffen verloren, oder
waren sie gebarsten, wurden die Nahkampf-Mittel eingesetzt. Bezeichnend für
das Yoroi Kumiuchi ist auch der Gebrauch von Waffen. Besonders
Techniken mit dem Kodachi (Kurzschwert) und dem Metezashi
(Pferdehand-Messer), einer speziellen Form des Yoroidoshi
(Panzerstecher), waren typisch dafür. Das Shinsen Bujutsu Ryusoroku
(1843) erwähnt eine Schule namens Tsutsumi Hozan Ryu. Sie wurde
ca.1335 von Tsutsumi Yamashiro no Kami Hozan gegründet, und ist damit
die vermutlich älteste Kumiuchi-ryu (Nahkampf-Schule) in der
Geschichte Japans. In den Schriften dieser Schule taucht auch zum
ersten Mal der Begriff Yawara auf. Die Teshin Shoden Katori Shinto Ryu wurde im Jahre 1447 von Izasa Choisai Ienao gegründet. Die Schriftrollen dieser Schule erwähnen auch eine Art des Nahkampfes, welche heutzutage nur noch selten zu sehen ist. Das System nennt sich Yawara-ge (Friedenstifter) und bestand aus 36 Techniken, welche teils in Rüstung und teils in Alltagskleidung ausgeführt werden konnten. Teshin Shoden Katori Shinto Ryu Yawara-ge ist eine Art des Ringens zwischen zwei - mit jeweils nur einem Kodachi bewaffneten - Kontrahenten. Man sagt, das Kodachi war die Lieblingswaffe von Choisai Ienao. Eine weitere bekannte Kumiuchi-Schule des 15. Jahrhunderts, die Muso Jikiden Ryu, bot ihren Schülern auch ein effektives Nahkampf-System in Rüstung. Der Legende nach wurde sie von Ikeibo Chohen, einem Priester aus Obayashiyama Dorokawa gegründet. Er erlangte tieferes Verständnis der Kumiuchi-Prinzipien durch göttliche Inspiration, und wird manchmal als "Großvater des Kumiuchi“ dargestellt. Er unterrichtete Oekinmaro Katsusada in der Kunst des Kumiuchi, welcher es daraufhin weiterentwickelte. Während Choisai Ienao als siebtes Oberhaupt der Schule fungierte, kreierte er 100 Kampftechniken welche er Yawara-gi (Sanftmütigkeit) nannte, und integrierte diese in die Lehren der Muso Jikiden Ryu. Hasegawa Eishin, bekannt für seine Schwertkunst, wurde das 19. Oberhaupt der Muso Jikiden Ryu. Er nutzte seine Erfahrung im Yawara-gi und entwickelte selber einhundert Techniken, welche Anwendung im „Kampf mit dem Schwerte“ fanden. Unter der Regierung von Toyotomi Hideyoshi (1536-1598)
im 16. Jahrhundert tauchten leichtere Rüstungen auf, die von dem berühmten
Meister Matsunaga Hisashige konstruiert
wurden. Mit dem Auftauchen der Teppo (Muskete) war nämlich
jede Garantie für eine Undurchdringbarkeit der Rüstung zunichte
gemacht worden. Die neue Rüstung ähnelte einem Schuppenpanzer, der
aus dünnen Metallplättchen bestand. Diese Rüstung nannte man Gusoku.
Ihre kleinere Ausführung, die nur aus einer Haidate (Überhose) sowie
Kote (Handschuhen) bestand, wurde Kogusoku (minimale Panzerung)
genannt. Die Kumiuchi-Systeme, welche sich mit dem Nahkampf in der
Kogusoku-Rüstung beschäftigten nannte man ganz einfach wie die
selbige: Kogusoku. Die Takenouchi Ryu, eine der
bedeutendsten Nahkampfschulen Japans, bezieht den Begriff Kogusoku
jedoch nicht auf „minimale Panzerung“, sondern auf „minimale
Bewaffnung“; präziser gesagt auf kurze Klingen. Am 26. Juni 1532, so berichtet es das Takenouchi
Keisho Kogoden, erschien Takenouchi Chunagon Daijo Hisamori auf dem
Berg Sannomiya ein Yamabushi (Berg-Asket), welcher die Manifestation
des Gottes Atago zu sein schien. Dieser erklärte Hisamori, dass lange
Waffen im Kampf unnütz seien und er zeigte ihm, wie er die kurzen
Waffen (Kogusoku) tragen, und im Nahkampf nutzen soll um seinen Gegner
zu überwältigen. Der Mönch zeigte ihm auch, wie man eine
Kletterpflanze zum fesseln des Gegners nutzen kann. Auf jene denkwürdige
Nacht führt die heute noch bestehende Takenouchi Ryu ihren
Ursprung zurück.
Weiterhin zählt die Tatsumi Ryu zu
den klassischen Kumiuchi-ryu. Sie wurde ca. 1550 von Tatsumi Sankyo
gegründet. Die Yawara-Techniken der Schule wurden sowohl mit als auch
ohne Rüstung und Tachi (Odachi, Kodachi) ausgeführt. 45 Kata sind im
Mokuroku der Tatsumi aufgelistet, aber viele von ihnen haben sechs
oder mehr Variationen. Diese gelten dem berüsteten Kampf auf dem
Schlachtfeld (Senjo Kumiuchi) sowie dem Kampf in Alltagskleidung (Suhada
Kumiuchi). Hauptsächlich werden die Techniken im Stand (Tachiai Waza)
ausgeführt. Igumi Waza, die Techniken im Sitzen waren nur sekundär.
Das Honcho Bugei Shoden (1716)
besagt, dass Araki Mujinsai Hidetsuna in jungen Jahren die Schwertkünste
unter den Meistern der Yagyu Shinkage Ryu studierte. Als elftes
Oberhaupt der Muso Jikiden Ryu lernte er von Fujiwara Katsuzane
Yawara-gi. Im Jahre 1573 gründete er dann seine eigene Schule. Diese
nannte er zuerst Araki (Mujinsai) Ryu Torite Kogusoku, später jedoch
- nachdem er immer mehr Waffen in das System integriert hatte - änderte
er den Namen in Moro Budo Araki Ryu Kempo. Dieser Name beschreibt noch
heute die Synthese verschiedener Disziplinen der Araki-Tradition -
einschließlich der, des unbewaffneten Kampfes. Auch die Asayama Ichiden Ryu Heiho
beinhaltete eine Form des Nahkampfes, welcher von Ozaki Kiyoshi - dem
gegenwärtigen Oberhaupt der Schule - als Asayama Ichiden Ryu Taijutsu
(Körperkunst) bezeichnet wird. Gegründet wurde die Ryu von Asayama
Ichidensai Shigetatsu, einem Goshi (Bauern-Krieger) aus Kanagawa. Dies
geschah während der Tensho (1573-1593) oder der Keicho-Zeit
(1596-1615). Asayama begann im Alter von sieben Jahren mit dem Studium
der Kampfkünste. Da er aber keinen geeigneten Lehrer fand, betete er
zu Fudo-myo und erlangte daraufhin Erleuchtung.
Früher bestand das Curriculum der Asayama Ichiden Ryu aus
mehreren Disziplinen. Heutzutage werden jedoch nur noch überwiegend
die Techniken des Asayama Ichiden Ryu Taijutsu Chi no Maki
praktiziert. Das Chi no Maki beinhaltet 56 Techniken, welche in fünf
Bereiche gegliedert ist. Der große Kensei Miyamoto Musashi Fujiwara Genshin (1584-1645), bekannt für seine Niten Ichi Ryu und den Gebrauch zweier Schwerter, war auch ein im Nahkampf erfahrener Krieger. Er lernte während seiner Jugend das Yawara-ge der Emmei Ryu. Hier erwarb er seine besonderen Fähigkeiten im „Umgang mit den versteckten Waffen“ (Kakushijutsu) ... Script: David Bender |
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