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| Der
letzte Minamoto Japanische Geschichte - Teil 11 „Der Geist des Kriegers
sollte vom Beginn des Neujahrstags bis zum Ende des Jahres vom
Gedanken an seinen Tod beherrscht werden..." Minamoto
no Tametomo Minamoto no
Tametomo (1139-1170) war zwar eine reale historische Figur, jedoch ist
er weitgehend ein Mysterium geblieben. Der Tametomo der Legende ist fast
vollständig Fiktion und wurde von den Autoren der verschiedenen
Versionen der Hougen-Monogatari geschaffen. Im Hyouhanki, dem Tagebuch
von Taira no Nobunori, das als authentische Informationsquelle zum
Hougen-Konflikt gilt, wird Tametomo nicht einmal erwähnt. Dennoch war
es gerade Tametomo, der idealisiert und zum Helden des Hougen-Konfliktes
wurde. Dabei schwankt das Bild seiner Person recht stark. So wird
Tametomo in einigen Kotohirabon-Versionen des Hougen als „beängstigend"
(osoroshii) beschrieben, „einem menschlichen Wesen ungleich" und
zuweilen auch als „Dämon" (kijin) oder „Monster" (Bakemono)
bezeichnet. Seine riesige Gestalt von über 2 Metern und seine schier
unglaubliche Kraft scheinen dieses Bild zu unterstreichen, wenn gleich
hier jedoch gewisse Übertreibungen wahrscheinlich sind. Doch Tametomo
war vielleicht nur ein extremes Beispiel für eine Person, die in den
Kriegsgeschichten „Aramusha" genannt wurde, „rauher
Krieger", wild und ungebändigt, wie die „Arauma", die
wilden Pferde, auf denen sie gewöhnlich ritten. Wild und ungestüm
seit seiner Kindheit, wurde Tametomo von seinem Vater nach Kyushu
geschickt, daß seit antiken Zeiten als entferntes Exil diente. Der
Legende nach hat sich der noch jugendliche Tametomo dort zu einem gefürchteten
Kämpfer entwickelt, der praktisch die gesamte Insel unterwarf. Der Ruf
des gefürchteten Kriegers, eilte ihm weit voraus. Im Hougen-Konflikt
stellte die Tapferkeit des erst 17-jährigen Tametomo den einzigen
Hoffnungsfunken für den Sieg von Sutoku dar, nachdem Fujiwara no
Yorinaga den Vorschlag zum Nachtangriff abgelehnt hatte. Yorinaga
meinte, daß Konflikte von größerer Bedeutung und insbesondere
Konflikte, die Kaiser und Ex-Kaiser einbeziehen, gemäß den
festgelegten höfischen Verhaltensregeln geführt werden müßten.
Krieger folgten zwar auch Regeln, sie taten jedoch in erster Linie alles
notwendige, um den Sieg zu eringen. Minamoto no Yoriyoshi sagt in Mutsu
Waki: „Der Krieger wählt nicht unbedingt seine Zeit für den Kampf.
Er sucht seine beste Chance... Wenn sich eine Gelegenheit im Krieg
zeigt, sollte sie ausgenutzt werden.". Auf der Seite von
Goshirakawa hatte man dies verstanden und so war der Ausgang der
Schlacht im Hougen-Konflikt eigentlich schon vor Beginn entschieden.
Doch als Minamoto no Yoshitomo, Taira Kiyomori und die anderen
Kommandanten von Goshirakawa das Lager von Sutoku im Shirakawa-den
angriffen, wurden sie praktisch allein von Tametomo aufgehalten. Ein großer
Teil des zweiten Buches der
Hougen-Monogatari berichtet, wie Tametomo's Pfeile einen Angreifer nach
dem anderen erledigen. Ein besonderer Höhepunkt ist die Passage, in der
ein Pfeil durch einen Krieger hindurchschoß, ihn tötete und in der Rüstung
eines zweiten Kriegers stecktenblieb. Dies erinnert an eine Episode aus
Mutsu Waki, in der Tametomo's Vorfahre Minamoto no Yoshiie zur
Demonstration seiner Fertigkeiten mit dem Bogen einen Pfeil durch drei Rüstungen
hindurchschoß. Trotz seiner
imposanten Fertigkeiten scheint Tametomo ausgesprochen verschlossen und
wortkarg gewesen sein. So faßte er sich auch beim traditionellen Nanori
sehr knapp. Als z.B. Taira Kiyomori auf Tametomo's Positon vorrückte
und wollte wissen, wer sein Gegner sei kam nur eine kurze Antwort -
„Der Verteidiger hier ist Chinzei no Hachirou Tametomo." - doch
sie reichte aus, um Kiyomori's Kampfeslust enorm zu dämpfen. Er zog
sich lieber zurück und versuchte es bei einem anderen Tor, als sich dem
„furchtbaren Gegner" (susamajiki mono) zu stellen. Kiyomori begründete
diesen Rückzug später etwas lapidar damit, daß ihm laut Mondkalender
Unglück bevorgestanden hätte. Vielleicht hatte er damit sogar in
gewisser Weise Recht. Doch Tametomo war
in diesem Kampf praktisch chancenlos und wurde letztlich von der
gewaltigen Übermacht des Gegners überwältigt. Ein glücklicher
Umstand rettete sein Leben und er entging der Hinrichtung. Stattdessen
wurde Tametomo nach Ooshima verbannt, einer kleinen Insel einige
Kilometer vor der Halbinsel Izu im Kantou. Um dem gefürchteten Bogenschützen
seine Macht zu nehmen, wurden die Sehnen seiner Arme durchschnitten. Held
in Verbannung Die
Kotohirabon-Version des Hougen endet mit dem beunruhigenden Bericht, daß
Tametomo im Exil ein sehr negatives Verhalten zeigte und sich nicht nach
den Wünschen seiner Wächter richtete. Aufmüpfig und widerspenstig von
Beginn an, entfloh er bald der Gefangenschaft. Auch heilten seine Arme
wieder und es zeigte sich, daß er keinen bleibenden Schaden genommen
hatten, eher im Gegenteil: seine Arme waren durch diesen Vorfall nicht
nur stärker geworden, sondern auch länger und er konnte seine Pfeile
mit noch größerer Kraft abfeuern als zuvor! Es gibt
verschiedene Geschichten seiner Taten im Exil. In einigen unterwirft
Tametomo die Sieben Inseln von Izu und segelt anschließend zu einer
mystischen Dämoneninsel, um auch diese zu erobern. Eine andere
Geschichte segelte Tametomo nach Südwesten gen Kyushu. Doch nach
einigen Tagen auf See kam ein fürchterlicher Sturm auf, der das Schiff
weit ab vom Kurs brachte und bis zu den Ryuukyuu-Inseln trug. Er ranken
sich eine Vielzahl von Legenden um diesen Vorfall. So berichten die
Einwohner der kleinen Insel Kikaigashima von Tametomo's Landung auf
ihrer Insel. Bevor Tametomo an Land ging, prüfte er die Sicherheit,
indem er einen Pfeil ab feuerte. Doch es passierte nichts und so ging
Tametomo an den Strand. Als er den abgeschossenen Pfeil aus dem Boden
zog, begann an dieser Stelle eine Quelle zu sprudeln, die noch heute
Karimata no Izumi (Quelle des Pfeils) genannt wird. Tametomo landete
schließlich bei Unten nahe Nakijin auf Okinawa. Am Strand traf er eine
junge Frau, die ihm erzählte, daß er sich in Ozato befand, einem
Landstrich von Okinawa, daß vom Fürsten von Urasoe regiert wurde.
Tametomo begab sich daraufhin nach Urasoe, um dem Fürsten seine
Aufwartung zu machen. Doch bereits bei seiner ersten Begegnung verliebte
er sich unsterblich in die Tochter des Fürsten und heiratete sie kurz
darauf. 1166 wurde sein Sohn Shunten geboren. Tametomo blieb mit
seiner Familie in Ozato, doch er sann auf Rache an den Taira, seine
Erziehung als Krieger verlangte es. Also rekrutierte Tametomo
Einheimische und stellte eine Armee auf, um mit ihr nach Japan zurückzukehren.
Er bildete seine Leute auch in Waffenkunst nach dem Kampfsystem der
Minamoto aus. Tametomo
plante, mit einer kleinen Armee im Kantou, der traditionellen Heimat der
Minamoto zu landen und nach Kyoto zu ziehen. Er hoffte, auf dem Weg in
die Hauptstadt genügend Verbündete zu gewinnen, um die Taira entgültig
zu schlagen. Und so verabschiedete sich Tametomo 1170 von seiner Frau
und seinem Sohn, und begann die Überfahrt nach Japan. Doch die Taira
hatten von der nahenden Gefahr erfahren und mobilisierten eine riesige
Flotte, die dem letzten verbliebenem Minamoto entgegensegelte. Als
Tametomo die Flotte des Gegners sah, wußte er, daß dies sein Ende
bedeutete. So spannte er ein letztes Mal seinen Bogen und schoß einen
Pfeil mit gewaltiger Kraft auf das Flaggschiff der Taira ab. Der Pfeil
durchschlug die Bordwand des Schiffes unterhalb der Wasserlinie und
versenkte es. Die Schlacht verlief dennoch schlecht. Nachdem Tametomo
alle Männer verloren hatte, beging er eine Tat, die ihn zum leuchtenden
Vorbild für die gesamte Kriegerklasse werden ließ: Er zog sich zurück
und beging Selbstmord, indem er sich den Bauch mit seinem Dolch
aufschnitt. Dies ist das erste überlieferte Beispiel von Seppuku (oder
Harakiri) und nur wenig später sollte diese Art des rituellen
Selbstmordes einen wesentlichen Teil im Leben der Samurai einnehmen. Tametomo's Frau
wartete noch lange auf ihren Mann. Sie stand oft an den Klippen bei
Machinatu (Makiminato) und schaute auf das Meer hinaus (Machinatu
bedeutet „Ort des Wartens"). Die Leute in dieser Gegend verehren
sie noch heute als Gottheit. Ihr Sohn Shunten wuchs heran und wurde der
Fürst von Urasoe. Später errichtete Shunten die Königslinie von
Okinawa und begründete die Blutlinien der Shunten, Eiso, Satto und
Shu-Dynastien, die lange Zeit über Okinawa herrschen sollten. Okinawa Die
Ryuukyuu-Inseln mit der Hauptinsel Okinawa (bedeutet soviel wie „ein
Seil, das ins Wasser geworfen wurde") liegen zwischen Japan und
China. Die Geschichte dieser Inselgruppe ist recht bewegt, da sie
aufgrund ihrer geographischen Lage wiederholt erobert wurden. Doch die
Einwohner leisteten gewöhnlich keinen Widerstand sondern ergaben sich
in der Regel. Bei direkten Angriffen konnten sie sich jedoch effektiv
verteidigen. Es war eine besondere Form der Selbstverteidigung, die auf
Okinawa eine lange Tradition hatte. Über die Jahrhunderte waren zwei
eigenständige Kampfsysteme entstanden, die waffenlose Kampfform:
„Te" und die Waffenkunst „Kobudo". Die Entwicklung dieser
Kampfkünste war zu Beginn noch unabhängig von äußeren Einflüssen,
doch im Laufe der Zeit wurden verschiedene externe Kampfsysteme
integriert. Okinawa wurde
erstmals im 8. Jh. von China besetzt. Der chinesische Kampfstil
beeindruckte den damaligen Fürsten von Okinawa, Sho Neopashi so sehr,
daß er seine Leute anwies, den chinesischen Stil mit dem Okinawa-Te zu
kombinieren. Doch mit dem Fall des Tang-Reiches in China brach der
Auslandskontakt wieder ab. Als Tametomo im 12. Jh. auf Okinawa landete,
fand er mehrere kleine Fürstentümer vor. Doch Tametomo interessierte
sich kaum für die politische Situation auf Okinawa, sein Augenmerk galt
vielmehr der Vernichtung der Taira. Doch gerade sein Engagement auf
militärischem Gebiet bereicherte das Kampfsystem von Okinawa: Indem
Tametomo japanische Techniken in den bis dahin hauptsächlich chinesisch
geprägten Kampfstil brachte, legte er den Grundstein für das
„harte" Okinawa-Kampfsystem, das zu Beginn des 20. Jh. unter dem
Namen Karate in Japan und nach dem 2. Weltkrieg auch im Rest der Welt
bekannt wurde. Einige Forscher glauben zudem, daß Tametomo's Sohn
Shunten ein Kampfsystem auf der Basis des Minamoto-Kampfstils gegründet
hat, das bis in die moderne Zeit hinein einzig und allein in der Hand
der Königslinie blieb. So soll die Motobu-Ryuu auf diese alten
japanischen Ursprünge zurückgehen. Seppuku Für den
japanischen Helden hatte der Tod eine besondere Bedeutung, denn der Tod
verkörpert den ganzen Sinn seines Lebens in einem einzigen Augenblick.
Heldenmut im Angesicht der sicheren Niederlage symbolisiert die großartige
Tragik des Lebens und die letzte heroische Aufrichtigkeit (Makoto) lag
in der Art, wie man seinem Tod begegnet. „Der Weg des Kriegers
offenbart sich im Akt des Sterbens". Kishimoto Hideo, ein Autor der
Moderne drückt es so aus: „Für die Japaner bedeutet der Tod nicht
einfach nur das Ende des Lebens. Er nimmt eine positive Stellung im
Leben ein. Dem Tod angemessen zu begegnen, ist eines der wichtigsten
Dinge des Lebens. In diesem Sinne kann man wohl sagen, daß der Tod für
die Japaner ein Teil des Lebens ist." Dieser Betrachtungsweise
schließt insbesondere den freiwilligen Selbstmord mit ein. Seit der
Antike waren die japanischen Krieger stets bereit gewesen, eher ihrem
eigenen Leben ein Ende zu setzen, als Schande über sich, ihre Familie
oder ihren Herrn zu bringen. Der Selbstmord war dabei nicht, wie im
Westen, die Tat eines Feiglings, sondern für den Krieger in äußerster
Bedrängnis oft die einzige ehrenvolle Lösung. Der japanische Krieger fürchtete
eine Sache besonders: die Gefangennahme und die Hinrichtung durch den
Feind. Dies bedeutete nämlich nicht nur eine unerträgliche
Erniedrigung seiner selbst, sondern auch die Vernichtung der Ehre seiner
Familie. Auf der anderen Seite konnte man auch mit der verheerendsten
Niederlage Ruhm und Ehre erwerben, wenn man mit Entschlossenheit und
Aufrichtigkeit (Makoto) kämpfte. Ein Kriegsgefangener hatte dagegen in
Japan zu keiner Zeit einen ehrenvollen Status. Ein Soldat, der sich
gefangen gab, verlor automatisch seine Ehre als Krieger, war aus der
Gemeinschaft ausgestoßen und konnte nur die brutalste Behandlung
erwarten: Folter, die grausamste Art der Hinrichtung, die Verstümmelung
des Leichnams und, was das Allerschlimmste war, den Beinamen „Toriko"
(Gefangener). [Dies ist auch der Hauptgrund für die brutale Behandlung
alliierter Kriegsgefangener durch die Japaner im 2. Weltkrieg und nicht
ihre oft zitierte „Blutrünstigkeit".] Da jedoch am Ende
des Weges eines Kriegers oft die Niederlage und die Gefahr der
Gefangennahme stand, wird die Bedeutung des Selbstmordes als ehrenvoller
Tod verständlich. Seit Mitte des 12. Jh. verband sich diese
Samuraitradition besonders mit dem Seppuku (oder Harakiri), einer quälend
schmerzhaften Form der Selbstfolter, mit der die Krieger Freund und
Feind von ihrer Entschlossenheit und Aufrichtigkeit überzeugen konnten.
Die Worte Seppuku und Harakiri bedeuten dabei praktisch das selbe:
„Aufschneiden des Bauches", jedoch gilt „Harakiri" im
Gegensatz zum chinesisch gelesene „Seppuku" eher als vulgär. Die
Praxis dieser Prozedur war eher profan: traditionell schnitt man sich
mit einem kreuzweisen Schnitt (Juumonji) den Bauch auf und legte so
seine Eingeweide frei. In der rituellen Form des Seppuku wurde der
Todeskandidat von einem Sekundanten (Kaishakunin) unterstützt, der ihm
nach den Schnitten den Kopf abschlug. Die erste
schriftliche Referenz eines Selbstmordes durch Aufschneiden des Bauches
findet sich im Hougen. Historiker gehen jedoch davon aus, daß diese
Methode bereits während der Nordkampagnen im 11. Jh. unter den Kriegern
der östlichen Provinzen üblich geworden war. In Zentral- und Westjapan
kannte man diese Art des Selbstmordes noch nicht. So gibt es keinen
einzigen Hinweis zum Seppuku von Mitgliedern der Taira. Die Wurzeln des
Seppuku liegen zwar weitgehend im Dunkel, man kann sie jedoch auf einen
alten japanischen Glauben zurückführen.
„Hara", der Bauch ist dabei nicht nur das Zentrum des Körpers,
sondern auch die Heimstätte des Innersten des Menschen, seiner Seele
und der Ort, an dem wichtige Werte wie Großmut, Aufrichtigkeit und
Tapferkeit konzentriert sind. Diese Vorstellung ist bis heute in vielen
verschiedenen japanischen Redensarten erhalten geblieben, wie z.B. „Hara
wo watte hanasu" - wörtlich: „den Bauch öffnen und
sprechen" (ehrlich sein); „Hara ga ookii" - „der Bauch ist
groß" (großzügig sein); „Hara wo tateru" - „den Bauch
heben" (wütend werden); „hara-guroi Hito" „Leute mit
schwarzem Bauch" (schlechte Menschen). Auch wenn Seppuku
nicht auf die Kriegerkaste begrenzt blieb, wurde es zum zentralen Teil
der Kriegertradition. Seppuku war die ultimative
„Selbstreinigung", die der Krieger nutzte, um auch unter
den aller widrigsten Umständen seine Ehre zu bewahren. Krieger hatten
jedoch auch andere Arten, um ehrenvoll aus dem Leben zu scheiden,
insbesondere, wenn sie nicht die Zeit für Seppuku hatten. So stürzte
man sich sein Schwert oder durchtrennte die Halsschlagader. Es gab
verschiedene Gründe für Seppuku: um einer Schmach zu entgehen oder
seine Ehre wiederherzustellen (Setsujoku), um für ein Vergehen zu büßen
oder Verantwortung zu übernehmen, um seinem Herrn als Treuebeweis in
den Tod zu folgen (Junshin) oder um Protest gegenüber Hohergestellten
vorzubringen (Kanshi). In der Zeit des Tokugawa-Shogunats diente
angeordneter Seppuku als Strafe für Krieger. Mit der Ritualisierung
wurde es dabei Sitte, daß der Kaishakunin dem Todgeweihten den Kopf
abschlug, bevor dieser den Bauch aufschneiden konnte. Der Gefangene
deutete den Schnitt nur an oder machte nur einen Kratzer auf dem Bauch.
Die volle Prozedur wurde jedoch nie ganz fallengelassen: So haben sich
Vize-Admiral Oonishi Takijirou (1945) und Mishima Yukyo (1970), ein berühmter
Dramatiker und Schauspieler, nach altem Ritual den Bauch aufgeschnitten. Die Zurück ins Japan
des Jahres 1160. 1160 wurde
Kiyomori in den „dritten Rang" erhoben und zum „erste Krieger
des Reiches". Im folgenden Jahr, 1161 bekam er die Leitung der
kaiserlichen Polizei und im selben Jahr gebar die jüngere Schwester
seiner Frau dem Ex-Kaiser Goshirakawa einen Sohn, der im Jahre 1168 als
Kaiser Takakura den Thron besteigen sollte. 1167 erreichte er den Höhepunkt
seiner Karriere bei Hofe, als er in den „ersten Rang" erhoben und
zum Kanzler (Daijou Daijin) ernannt wurde. Auch die Söhne und Brüder
von Kiyomori stiegen in der Hierarchie bei Hofe stetig auf. Doch die Taira
errichteten keine eigene dominante Regierung, wie bisher oft angenommen
wurde. Obwohl sie nach der Vernichtung der Minamoto keine einzige
Herrausforderung ihrer militärischen Vormachtstellung mehr hatten,
setzten sie die traditionelle Politik fort, dem Hof zu dienen. Der Führer
des Hofes, Ex-Kaiser Goshirakawa, war offizieller Schirmherr der Taira
und sie waren seine Samurai. Ihr Aufstieg begründet sich darauf, dem
traditionellen Weg zu folgen, Ämter und Würden bei Hofe zu erwerben.
Die Taira bauten dabei keinerlei Verbindung zu Krieger-Clans in den
Provinzen auf, ihre Aufmerksamkeit galt ausschließlich dem Geschehen in
der Politik am Kaiserhof in Kyoto. Doch mit den
Jahren wandelte sich die Allianz zwischen Taira Kiyomori und Ex-Kaiser
Goshirakawa. Zunächst nur ein kleines Kräftemessen, veränderte sich
das Verhältnis von Herr und Diener später zu offener Opposition. Der
Konflikt eskalierte schließlich im Jahre 1177, als das
Shishigatani-Komplott bekannt wurde, benannt nach dem Stadtteil
Shishigatani im Nordosten von Kyoto, in dem sich die Verschwörer
getroffen haben sollen. Das Komplott wurde von Anhängern des Ex-Kaisers
entworfen, um den wachsenden Einfluß der Taira zu brechen. Es ist Thema
der ersten drei Bänden von Heike Monogatari und ein Zeichen für die
wachsenden Spannungen zwischen Goshirakawa bzw. einem Kreis von Höflingen
und dem, was diese als „neureiche Emporkömmlinge" bezeichneten.
Als sich Gerüchte über das Komplott verbreiteten, unterdrückte
Kiyomori sofort jede Opposition am Hof, indem er kurzerhand einige verdächtige
Individuen hinrichten ließ; andere wurden verbannt. Doch der
sensationelle Aspekt am Shishigatani-Komplott war, daß Ex-Kaiser
Goshirakawa selbst Mitwisser gewesen sein soll. Kiyomori trat dem
Ex-Kaiser nicht offen entgegen, jedoch bedeutete dieses Ereignis den
entgültigen Bruch zwischen dem Führer der Taira und Goshirakawa. 1178 gebar
Kiyomori's Tochter Tokuko, Frau von Kaiser Takakura, einen Sohn: einen
zukünftigen Kaiser. Mit der Aussicht, kaiserlicher Großvater zu
werden, stand Kiyomori an der Grenze zu unbegrenzter und uneingeschränkter
Macht. Den letzten Schritt in diesem Aufstieg zur Macht machte Kiyomori
Ende 1179: Goshirakawa hatte Land der Taira konfiszieren lassen und
Kiyomori nutze dies zur Vergeltung. Mit einigen Tausend Samurai
marschierte er in Kyoto ein und stellte Ex-Kaiser Goshirakawa unter
Hausarrest. Gleichzeitig entließ er alle höheren Minister am Hof, die
sich gegen ihn gestellt hatten und ersetzte sie durch seine eigenen
Gefolgsleute. Schon einen Monat später, im Januar 1180 erzwang er die
Abdankung von Kaiser Takakura und setzte seinen zweijährigen Enkel als
Kaiser Antoku auf den Thron. Kiyomori und die Ise-Taira waren nun die überlegene
Macht in Kyoto. Sie hatten jede Opposition am Hof ausgeschaltet, Kaiser,
Ex-Kaiser und auch den Hofadel (Kuge). Der Hof und die Zentralregierung
befanden sich damit vollständig unter der Kontrolle der Ise-Taira. Doch während sich
Taira Kiyomori in den 20 Jahren seit dem Heiji-Konflikt auf das
Schlachtfeld von Politik und Intrigen am Kaiserhof konzentriert hatte,
waren neue Gegner gewachsen. Diese standen nun bereit, das Land mit
Sturm zu überziehen. Und die dunklen Wolken dieses Sturms drohten aus
einer Richtung, die Kiyomori nie im Leben vermutet hätte. Script: Stephan Henker |