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Muso Ryu Stock und Schwert Muso GonnosukeIn den Reihen der berühmtesten Krieger Japans hat er einen festen Platz –
Muso Gonnosuke Katsukichi (Katsuyoshi), der Vater des Jo jutsu (Stockkampfkunst)
. Wie alle berühmten Männer der Geschichte ranken sich um seine
Gestalt mehr Legenden als Fakten. Nishioka Tsueno , einer der führenden
Persönlichkeiten des modernen Jo jutsu umfaßt die Geschichten um
Gonnosuke mit folgenden knappen Worten: „Was man wirklich von ihm
weiß; er wurde geboren, er lebte, er kämpfte mit Miyamoto Musashi,
er meditierte auf dem Berg Homan san und er starb irgendwann.“ Alle
anderen Geschichten um ihn sind später aufgebauscht wurden und geben
nur ein stark verzerrtes Bild seiner Person. Muso Gonnosuke wurde in einer Zeit geboren, in der Japan große kulturelle
Änderungen erfuhr. Die jahrhundertelangen Clankriege waren beendet
und der neue Shogun Tokugawa Ieyasu führte das neu geeinte Land mit
eiserner Hand. Die unterlegenen Fürstenhäuser waren entmachtet oder
aufgelöst worden und tausende der einst kämpfenden Samurai zogen
arbeitslos oder als Wegelagerer durch die Provinzen...
Miyamoto Musashi Auf
diesen Kriegerwallfahrten trifft Muso Gonnosuke auf einen Mann, der
sein Leben tiefgreifend beeinflussen soll – den Schwertmeister
Miyamoto Musashi. Der Berg Homan Muso Gonnosuke führte seine Wanderung nun nach Südjapan fort und setzte von Honshu auf die Insel Kyushu über. Angeblich beendete er hier seine Pilgerfahrt und zog sich von den Zweikämpfen zurück. Die Beweggründe sind uns nicht bekannt – Läuterung, Wut, Einsicht oder Resignation, der Legende nach soll Gonnosuke nach dem persönlichen Desaster seiner Niederlage gegen Musashi seine Wanderschaft aufgegeben haben und sich in die Einsamkeit eines shinthoistischen Schreines zurückgezogen haben. Der Kamado-Schrein auf dem Berg Homan san in der Provinz Chikuzen wurde für die nächste Zeit seine neue Heimat (Nord-Kyushu, Dazaifu nahe Fukuoka). Die Stille des Berges halfen ihm seine Gedanken zu sammeln und er konnte seine Fehler im Duell mit Musashi überdenken. So sann er über neue Möglichkeiten nach, den Techniken seines Gegners ernsthaft Konkurenz bieten zu können. Nach 37 Tage Meditation und Askese im Schrein, so die Legende, soll ihm vor dem Altar betend eine Gottheit in Gestalt eines Kindes erschienen sein, die ihm sinngemäß folgende Worte verkündete: "Halte ein rundes Holz – wisse um suigetsu". Das runde Holz war mit einem Stab zu interpretieren und “suigetsu“ (Plexus solaris) ist der Hinweis auf die Verbindung von Waffentechnik und anatomischen Reiz- und Schwachpunkten des menschlichen Körpers – das in Asien weit verbreitete Kyusho-System. Auf der Grundlage dieser Weißsagung und seiner Erfahrung im Waffenhandwerk entwickelte er ein neues Konzept an Kampftechniken – basierend auf einer neuen Waffe, dem Jo. Es gab um diese Zeit in Japan schon verschiedene Systeme und Schulen, die sich im Gebrauch von Stockwaffen übten (Sekiguchi ryu, Takenouchi ryu etc.), jedoch nicht mit einer Waffe dieser Größe. Deshalb benannte er die übliche Bezeichnung von Bo jutsu (Technik mit dem Stock) auch in Jo jutsu (Technik mit dem Stab) um. Aus seiner Ausbildungszeit in der Katori shinto ryu war er im Umgang mit dem Stock vertraut und auf dieser Grundlage formte er seine neuen Methoden mit dem kürzeren Stab. Diese verbanden die Techniken des Langstockes mit den Stichbewegungen des Speeres und der Schnitttechnik der Naginata zu einem neuen, komplexen System. Der Jo, ein Stock mit einer Länge von nur 1,28 m (4 shaku, 2 sun, 1 bu) war zwar deutlich kürzer als alle anderen Langwaffen, jedoch immer noch länger als die Schwerter seiner Zeit. Der Vorteil lag auf der Hand – was die Waffe an Distanzüberbrückung zum Gegner verlor machte sie an Flexibilität und Geschwindigkeit wieder gut. Beidseitig einsetzbar und ohne Schneide oder Rückseite war der Jo die ultimative Waffe für alle Angriffe auf die Schwachpunkte (Kyusho/Atemi) des menschlichen Körpers, die Schwerthand oder das Gesicht. Wie die Götter schon sagten: “Stock und Kyusho " Der Kuroda Clan Die Legende sagt, Muso Gonnosuke hätte Musashi später zu einem zweiten Duell gefordert und aufgrund seiner neuen Stocktechniken ein Patt erzwingen können – die einzige Niederlage, die der große Musashi je hinnehmen mußte. Aber dieses Duell ist historisch nicht belegt und auch für die angeblich darauf folgende Männerfreundschaft der beiden Schwertmeister gibt es keine Belege. Allerdings gibt es in den überlieferten Jo jutsu kata einige Hinweise auf den Einfluß des Duells mit Musashi. Die Kata Uchiwa der Okuden Stufe simuliert genau den schon oben beschriebenen Ablauf des Kampfes mit dem finalen Kreuzblock Musashis und der darauf hin entwickelten Kontertechnik Muso Gonnosukes. Fakten
werden erst wieder greifbar, als Gonnosuke sich beim Kuroda Clan, den
Herren der Provinz Chikuzen, als Fechtlehrer bewirbt und die
Ausbildung der Samurai übernimmt. Wie bereits oben beschrieben, war
Japan zu dieser Zeit reich an herrenlosen Samurai und Stellungen als
Lehrer oder Aufnahme in fremde Clans waren Privilegien, welche nur
wirklich herausragenden Kriegern vorbehalten waren. Durch ihren Status
als Krieger waren den Samurai alle Berufe außerhalb des militärischen
Dienstes verboten und die Alternativen hießen: Samurai, Räuber oder
Bettler. So war die Anstellung Gonnosukes ein Beweis für die Qualität
von Gonnosukes Kampftechnik und seinem Ruf
als Schwertkämpfer.
Als
sich die geheime Kunst der Kuroda Samurai mir Beginn der
Meiji-Restauration auch anderen Interessenten, außerhalb der Provinz
öffnete, gab es zwei hauptsächliche Linien, welche als legitime
Nachfolger Muso Gonnosukes die Techniken des Jo jutsu unterrichteten
– die Familien Hamachi und Hirano. - Muso Gonnosuke Katsukichi nach Shiraishi Hanjiros Tod 1927 gliederte sich die Hauptlinie in verschiedene Zweige auf. Heute hat die Schule kein ausschließliches Oberhaupt mehr. Als komplexes, lebendes System unterlag auch die
Shinto muso ryu in den Jahrhunderten ihres Bestehens zahlreichen Änderungen
und Ergänzungen. Muso Gonnosukes erste, ursprüngliche Techniken
wurden von späteren Großmeistern durch eigene Elemente ergänzt. So
fügte man den nach der Gründung der Schule entwickelten Formen im
18. Jhdt. die Kata der Ran ai hinzu und im 20. Jhdt. nochmals die
Techniken des Gohon no midare. Insgesamt umfaßt die Shindo muso ryu folgende Systeme: Shindo muso ryu – Jo jutsu (Stab) Die KataShinto muso ryu ist eine Kampf- und keine Kriegskunst im historischen Sinne.
Die Schulen, die Gonnosuke in seiner Jugend lernte, Kashima und Katori
shinto ryu, waren Systeme, die hauptsächlich für den Gebrauch auf
dem Schlachtfeld gedacht waren. Jo jutsu und die später zur Schule
gekommenen Stile waren hauptsächlich auf Erstfälle im zivilen Leben
der Samurai abgestimmt. In der Tokugawa-Zeit verlagerte sich das
Aufgabengebiet der Samurai vom Kriegsdienst immer mehr in die Bereiche
Verwaltung und Sicherheit. Aus Kriegern wurden Beamte. Für diesen
Dienst waren Stock, Seil und Jutte besser geeignet als Bogen und
Speer. Omote Chudan Ran
ai Kage Samidare Gohon
no midare Okuden
Script: Ulf Lehmann |
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