|
|
| Die
Flügel der Fledermaus Kampffächer in Japan Obwohl fast alle, oder
sagen wir viele japanische Kulturgüter den Entwicklungsweg vom
Kontinent über China oder Korea nach Japan gegangen sind, war dies im
Fall des Faltfächers eher umgekehrt. Fächer in all ihren Variationen
waren in ganz Ostasien schon seit Jahrhunderten fester Bestandteil des täglichen
Lebens. Männer wie Frauen trugen sie zu ihrer Alltagskleidung, ebenso
wie sie Verwendung im Haushalt und im kulturellen Bereich, wie Tanz und
Theater hatten. Im frühen
Mittelalter, als die Krieger in der Schlacht noch keine uniformierten
Ausrüstungen benutzten, unterschied man die einzelnen Rangstufen
innerhalb eines Heeres durch das tragen weniger, wichtiger
Statussymbole. Generäle und Heerführer konnten sich durch die Zierrate
und den Aufwand ihrer Schwertscheiden mit kostbaren Raubtierfellen,
spezieller Bögen oder Rüstungen von den übrigen normalen Kriegern
unterscheiden. Eines der ältesten Insignien dieser Art in Form eines Fächers
war ein Kommandeurstab für Feldherren - der Saihai. Dieser Stab, aus
Holz oder Metall, diente der Truppenregulierung und als Kommandozeichen
im Feld. Zu diesem Zweck brachte man an der Spitze des Saihai eine dicke
Quaste aus Leder, Stoff oder sogar Papier an, was dem Instrument das
Aussehen eines überdimensionalen Fliegenwedels gab. Die ersten Formen des Uchiwa ( Blattfächer
) löste in der Kamakura- und Muromachi zeit dann in ihrer Funktion als
Kommandozeichen den Saihai ab. Der Fächertyp, den man darauf im Krieg
verwendete, nannte sich Gunbai Uchiwa ( Kriegsfächer ) mit einem Blatt
aus Holz und Leder, welches teilweise noch mit Metall verstärkt wurde.
Von diesem Fächer gibt es zwei überlieferte Varianten. Erster
fungierte wie gesagt als Ablösung für genannten Saihai während die
andere Hypothese diesen Fächer als Beschwörungsinstrument und Glücksbringer
im Krieg vermutet. Dieser Gunbai war aber
nur führenden Adligen, wie Generälen oder Heerführern vorbehalten.
Wenn man dieses Instrument jedoch objektiv betrachtet scheint er weder
ausschließlich ein Beschwörungsinstrument oder ein reiner Kommandostab
gewesen zu sein. Sicherlich erfüllte er beide Funktionen in einem und
konnte durch seinen stabilen Körper aus Holz und Metall zur Not auch
als Verteidigungsgerät genutzt werden. Beide Krieger gehörten
zu den berühmtesten Fürsten der Muromachi-Ära und lieferten sich über
Jahrzehnte eine Unzahl von Kämpfen und Schlachten. Bei der legendären
4. Schlacht von Kawanakajima (1561), auf einem Plateau zwischen den Flüssen
Saigawa und Chikumagawa, führte Fürst Takeda von einem strategisch erhöhten
Punkt aus die Leitung seines Clans. Auf einem Hocker sitzend, nur von
einigen, wenigen Leuten seiner persönlichen Leibwache (Tsukai ban)
umgeben, überblickte er das Schlachtfeld und koordinierte von dort die
Bewegung seiner Truppen. In diesem Augenblick tauchte unerwartet eine
kleinere Gruppe feindlicher Kavallerie bei ihrem Kommandoposten auf -
geführt von Fürst Uesugi persönlich. Ehe noch Takeda Shingens
Leibgarde eingreifen konnte um ihren Herren wirksam zu beschützen wurde
dieser von Uesugi Kenshin mit einem Schwert angegriffen. Der Überlieferung
nach sollte es diesem gelungen sein Takeda mehrere mal zu attackieren.
"Der Berg bewegt sich nicht" , eigentlich ein Wahlspruch
Shingens für seine Politik, wurde hier eher praktisch demonstriert, da
deser auf seinem Platz sitzen blieb, statt sich in Sicherheit zu
bringen. Sieben Schwerthiebe konnte er mit seinem Gunbai abwehren, in
drei Fällen schützte die Rüstung sein Leben. Erst dann gelang es
Takedas Leuten wieder Herr der Lage zu werden und die feindlichen Reiter
zu vertreiben. Die zweite Form des
Kampffächers kam in der Muromachi-Epoche auf – es war der bekanntere
Tessen (Eisenfächer). Dieser Faltfächer wurde im Gegensatz zu seinem
zivilen Verwandten speziell aus Eisenlamellen (komplett oder nur Außenrippen)
oder aus mit Metall verstärktem Holz gefertigt. Dieser, zumeist aus 8
oder 10 stählernen Rippen bestehende Grundkörper, erreichte je nach
Fertigung ein Gewicht bis zu 1 kg. Für das Fächerblatt verwendete man
Gewebe oder gelacktes Papier um es so stabiler und unempfindlich gegen
Feuchtigkeit und Schmutz zu machen. Dieser Tessen unterschied sich im
Aussehen fast kaum von einem normalen Fächer und war so als Waffe nicht
auf den ersten Augenblick zu erkennen. Er konnte also bei allen
bestimmten öffentlichen Anlässen, wo das Führen von Schwertern
untersagt war, problemlos getragen werden. Es ist eine Erzählung aus der eben erwähnten Shinkage Schule, welche uns eine Episode des angehenden 17. Jh. überliefert, in welcher auch von der Benutzung eines Tessen die Rede ist. Der
Schwertmeister Yagyu Jubei, selbst Sproß des Gründerclans dieses
bekannten Kampfsystems, soll sich eines Tages auf einen Übungskampf mit
einem Bushi namens Mori Gentatsu eingelassen haben. Während Jubei mit
einem Bokuto (Holzschwert) bewaffnet war wählte Gentatsu einige
Shurikenattrappen (Wurfeisen) als Waffen. Es gelang Mori Gentatsu während
des Duells Jubei drei mal zu treffen, ehe dieser auch nur eine Attacke
anbringen konnte. Nach dem Duell rühmte sich Gentatsu stolz seiner Fähigkeiten
im Umgang der Kriegskünste vor allen beteiligten Zuschauern. Daraufhin
forderte ihn Yagyu Jubei auf, daß Duell mit scharfen Waffen zu
wiederholen. Gentatsu, siegessicher nach dem vorangegangenen Kampf, ging
gern darauf ein. Doch statt dem Schwert zog Jubei seinen Tessen und
schlug alle Wurfeisen im Stil des Yadome (Pfeilstoppen) aus der Luft.
Nach dieser Aktion zog er sein Katana und tötete den prahlerischen Mori
Gentatsu... Script: Torsten Münch |