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is who" Titel und Namen in den Kampfkünsten Lehrer... Wie auch in anderen Lehrsystemen, z.B. Universitäten, existieren in den japanischen Kampfkünsten eine ganze Reihe von Bezeichnungen, die verwendet werden, um den Status eines Menschen oder dessen Beziehung zu anderen innerhalb des Systems zum Ausdruck zu bringen. Da jedoch außerhalb Japans selbst viele Ausübende der verschiedenen Kampf- und Kriegskünste nicht genau zu wissen scheinen, was nun eigentlich dieser oder jener Ausdruck bedeutet bzw. wann und auf wen er anzuwenden ist soll hier der (zur Unvollständigkeit verdammte) Versuch unternommen werden, die relevanten Begriffe zu nennen und ihre Zusammenhänge aufzuzeigen. Die bekannteste (und wahrscheinlich auch am meisten mißverstandene) Bezeichnung ist das Wort Sensei. Gemäß landläufiger Meinung vieler nichtjapanischer Budo-Anhänger bezeichnet der Terminus einen "Kampfsportlehrer" oder gar einen "Meister". Ungeachtet der breiten Akzeptanz dieser Ansicht muß eindeutig gesagt werden, daß dies nicht der Fall ist. Wörtlich bedeuten die Schriftzeichen des Wortes Sensei "vorher geboren", bezeichnen also im engeren Sinne jemanden, der älter ist als man selbst oder schon vor einem selbst da war. Hierbei ist es für das korrekte Verständnis wichtig zu betonen, daß sich dies nicht zwangsläufig auf das Lebensalter des Betreffenden bezieht (gewissen Quellen zufolge gibt es anscheinend tatsächlich Leute, die die Ansicht vertreten, man dürfte erst mit 40 bzw. 50 Jahren als Sensei angesehen werden, dann aber quasi "automatisch"). Das "Sen" (Vorher) meint eher den Beginn z.B. des Studiums einer bestimmten Sache oder der Übernahme einer bestimmten Tätigkeit. So werden in Japan außer Kampfkunstlehrern auch Ärzte, Professoren, Anwälte, Richter, ja selbst Lehrer und Erzieherinnen im Kindergarten von deren Kindern als Sensei bezeichnet. Im weiteren Sinne meint das Wort also jemanden, der generell eine Lehrtätigkeit ausübt bzw. eine sozial wichtige Funktion erfüllt. Auch macht das Erreichen des ersten Dan (in den modernen Budo-Formen) dessen Träger nicht gleichzeitig zum Sensei, wie oft angenommen wird (Nebenbei gesagt, in Japan gilt jemand mit dem ersten oder zweiten Dan immer noch als Schüler). Ein Übungsleiter, der sich von seinen Schülern auf der Matte mit Sensei titulieren läßt, handelt zwar nicht grundsätzlich falsch; das Problem außerhalb Japans besteht nur darin, daß diese Leute das Wort mit der Bedeutung "Meister" gleichsetzen. Tatsächlich ist ein Sensei aber eigentlich jemand, der innerhalb eines Systems (sei es nun eine Grundschule oder eine Ryu in den Kriegskünsten) andere unterrichtet und zu dem ein bestimmtes Lehrer-Schüler-Verhältnis besteht. Einen Ausbilder in den Budo könnte man auch als Shidoin bezeichnen, einen Trainerassistenten als Fuku Shidoin. Abgesehen von der Bezeichnung Sensei existieren im Budo noch verschiedene andere Termini, um bestimmte Lehrtätigkeiten und Beziehungen zu beschreiben. Hier sind wohl die Titel Renshi, Kyoshi und Hanshi aus den Gendai Budo die bekanntesten. Sie stammen von akademischen Titeln ab und werden im Gegensatz zu Sensei generell nie benutzt, um diese Person anzureden. Bei allen Dreien handelt es sich um sogenannte "Shogo", Lehrtitel, die gewöhnlich für eine langjährige Lehrtätigkeit und Hingabe zur geübten Kunst verliehen werden, üblicherweise erst ab dem fünften Dan aufwärts. Als Beispiel sei das Wort Hanshi übersetzt, das in etwa ein "Modell" oder "Beispiel" ("Han") für einen "(Edel-)Mann", "Krieger" oder "Gelehrten" ("Shi") meint. In einigen Koryu, die bekanntlich eine deutlich andere Struktur aufweisen als die auf große Mitgliederzahlen ausgelegten Gendai Budo wird derjenige Sensei, der für die Ausbildung an der Schule verantwortlich ist (Man könnte denjenigen vielleicht mit dem Rektor an einer Schule vergleichen) als Shihan bezeichnet, was aber nicht direkt die Umkehrung der beiden Schriftzeichen benutzt, die für das japanische Wort Hanshi verwendet werden. Shihan bezeichnet einen Meisterlehrer, ein Vorbild für die zu erlernende Kunst. Ebenso wie bei Renshi, Kyoshi und Hanshi wird auch Shihan niemals als Anrede benutzt. Die Tenshin Shoden Katori Shinto Ryu ist ein Beispiel für den Gebrauch des Wortes; vom Ausbildungsleiter der Ryu, Otake Risuke Sensei, wird dort als Shihan gesprochen. Er ist zwar nicht das Oberhaupt der Schule, der Soke, aber er ist für die Ausbildung der Mitglieder der Ryu verantwortlich. Soke bezeichnet ein Oberhaupt einer vererbten, früher oft innerhalb der Familie weitergegeben Tradition; der Begründer einer solchen Tradition, gewissermaßen die erste Generation in der Übertragungslinie, wird gewöhnlich Kaiso genannt. Als Ausnahmebeispiel in den Gendai Budo ist das Kodokan Judo zu sehen, wo vom Gründer als Kano Shihan gesprochen wird. Verschiedene Koryu besitzen unterschiedliche Bezeichnungen für ihre Oberhäupter, wie etwa in der Bitchu-Den Takenouchi Ryu, wo das Oberhaupt "Kancho" (Anführer der Halle) genannt wird oder in der Kashima Shin Ryu, die vom gegenwärtigen Oberhaupt, Seki Humitake Sensei als Shihanke spricht. Außer diesen eigentlichen Lehrerbezeichnungen existieren
noch einige Titel, die außerhalb Japans unlängst von einigen
Individuen aufgrund deren Unkenntnis der japanischen Sprache mißbraucht
wurden, um die eigene Person in den Vordergrund zu stellen:
Soke-Dai,
Soke-Dairi und Shihan-Dai (wobei
leider beklagt werden muß, daß einige nicht einmal davor zurückschrecken,
sich zum Soke ihres selbstgezimmerten modernen Kampfsportstiles
zu ernennen). Entgegen landläufiger Meinung ist das Wort "Dai"
in diesem Kontext nicht das Schriftzeichen für "groß",
sondern ein Wort, das in etwa "anstelle von"
oder "stellvertretend für" bedeutet,
also nicht benutzt wird, um auf die Größe dessen zu verweisen,
der diesen Titel trägt. So kann es vorkommen, daß der
amtierende Soke einer Ryu aufgrund von Krankheit oder aus
anderen Gründen dauerhaft nicht in der Lage ist, selbst für
die Ausbildung der Adepten der Ryu zu sorgen und deshalb einen
der Lehrer an der Schule zum Soke-Dai o.ä. ernennt, der dann
"anstelle des Soke" eben den Unterricht übernimmt. In
der Tenshin Shoden Katori Shinto Ryu ist dies der Fall, obschon
dort wie bereits erwähnt nur das Wort Shihan benutzt wird. Zu
guter Letzt sei noch kurz umrissen, daß außer den Lehrertiteln
in den Koryu noch etliche Begriffe benutzt werden, um
verschiedene Stufen der Initiation in die Schule zu
kennzeichnen; diese Ausdrücke, die gemeinhin als Menkyo
bezeichnet werden, variieren jedoch stark von Ryu zu Ryu, und es
kann sogar vorkommen, das ein und dieselbe Bezeichnung in zwei
unterschiedlichen Schulen völlig unterschiedliche Wissens- und
Könnensstufen bezeichnet. Nur der Vollständigkeit halber seien
hier das Mokuroku, das Okuden Menkyo
und das Menkyo Kaiden (das z.B. in der Muso
Jikiden Eishin Ryu als Kongen no Maki
bezeichnet wird) erwähnt. Schüler... Die japanische Übersetzung für das Wort "Schüler" im modernen Sinn wäre "Seito", was zwar im Kontext des Budo-Trainings benutzt werden kann, aber eben generell für jede Art von Schüler verwendet wird (z.B. in der Schule). Ein traditioneller Begriff für Schüler wäre das Wort "Deshi".
Gemäß der gezeigten Schriftzeichen bedeuten
diese einzeln gelesen "Jüngerer Bruder" und
"Kind". Als ganzes genommen stammt das Wort Deshi
aus dem alten Ausbildungssystem des traditionellen Handwerks
und deutet eine Art Lehre an; die Beziehung zwischen einem
Deshi und seinem Sensei könnte man somit grob mit der eines
Gesellen und seines Lehrmeisters in den Handwerkszünften
des europäischen Mittelalters vergleichen. Für einen
Japaner impliziert der Begriff ein intimes und
langandauerndes Lehrverhältnis zum Sensei und eine feste
Verbundenheit. Aus diesem Grund sollte man als Nichtjapaner
sehr vorsichtig sein, diesen Fachbegriff auf sich selbst
anzuwenden. Noch viel enger und weitreichender ist die
Verbindung eines Uchi Deshi zu seinem
Lehrer. Ein Uchi Deshi lebt nämlich dauerhaft im Haushalt
seines Sensei beziehungsweise ist derart mit dem Lehrer
verbunden, daß ständig sowohl innerhalb als auch außerhalb
des Dojo Kontakt besteht. Darüber hinaus ist man dazu
verpflichtet, genau wie ein Familienmitglied gewisse über
das Dojo hinausgehende Verpflichtungen auf sich zu nehmen.
Ein Mitschüler, der weniger Erfahrung und Wissen als man selbst besitzt und/oder weniger lange übt wird als Kohai bezeichnet.
Das Kanji "Go" bedeutet wörtlich "danach" oder "später". Demzufolge ist hier wörtlich ein "späterer Kollege" gemeint. Gleichrangige Schüler (auch hier im Sinne von Wissen und Erfahrung) nennt man Dohai oder Dokyuusei. Alle diese Termini sollten außerhalb eines japanischen Dojo nicht oder nur mit äußerster Vorsicht benutzt werden, da sie vielfältige, der japanischen Kultur eigene Implikationen in sich tragen und nicht auf unsere westlichen Kulturen eins zu eins übertragbar sind. Sempai für jemanden zu sein bedeutet in Japan kein reines Privileg, sondern in erster Linie, daß derjenige eine große Verantwortung für das Weiterkommen, die Gesundheit, die Erziehung und das Wohlergehen seiner Kohai trägt. Der Sempai ist wie ein beschützender älterer Bruder, der sich um seine jüngeren Geschwister kümmert und sie die wichtigen Dinge der Welt begreifen hilft, während die Kohai ihm gegenüber den entsprechenden Respekt und die angebrachte Höflichkeit an den Tag zu legen haben. Von den Dohai oder Dokyuusei wird erwartet, daß sie kameradschaftliche Bande knüpfen, die auch außerhalb der Mauern des Dojo bestehen Hier sei erwähnt, daß Sempai-Kohai-Beziehungen in Japan nicht nur im Budo-Bereich, sondern nahezu überall in der Gesellschaft vorkommen. Beziehungen solcher Natur mögen sich selbstverständlich auch im Westen entwickeln, sind aber absolut selten und auch nicht Teil einer lebendigen Kultur wie in Japan. Script: Nicki Gerstner |
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