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| Yoroi
kumi uchi Gut gerüstet... Taktik und Technik der japanischen
Kriegskünste unterlagen in ihrer Geschichte einem stetigen Wandel. In
keiner der heute noch existenten Koryu werden die Techniken auf genau
die gleiche Art und Weise wie z.B. vor fünfhundert Jahren geübt und
ausgeführt.Veränderte Bedingungen auf dem Schlachtfeld,
hervorgerufen durch die Einführung neuer oder verbesserter Waffen
oder durch die sich ändernde Kriegsführung, machten eine stetige
Anpassung notwendig. Besonders beachtenswert ist
diese 270 Jahre andauernde Periode "relativen
Friedens" deshalb, weil sich in dieser Zeit die
Kriegskünste auf die neuen Begebenheiten in der Art
einstellten, daß die Techniken, die ehemals auf den
Schlachtfeldern zum Einsatz kamen, eine z. T. grundlegende
Veränderung erfuhren. Bis dato waren die Techniken so
konzipiert, daß sie dem Umstand des Tragens von Rüstungen
Rechnung trugen, d.h. es wurden - um zum Erfolg zu kommen -
genau die Körperregionen angegriffen, die durch die
Rüstung am wenigsten geschützt waren. Für unsere Betrachtungen, die sich mit dem Yoroi Kumi-Uchi (Yoroi ist eine Bezeichnung für die jap. Rüstung), also mit dem Zweikampf in Rüstung beschäftigen, ist deshalb besonders die Sengoku Periode von Belang.
Wie oben schon erwähnt, war die Sengoku Jidai
geprägt durch Streitigkeiten der einzelnen Fürsten
untereinander. Kriege waren sozusagen an der Tagesordnung.
Im Gegensatz zu der während der Tokugawa (Edo) Periode
aufkommenden Spezialisierung, war es für die Bushi in
dieser Zeit lebensnotwendig sich mit den
gebräuchlichsten Waffen dieser Epoche auseinander zusetzen.
Nur wer sich der Stärken und Schwächen der verschiedensten
Waffen bewußt war, konnte damit rechnen erfolgreich im
Kampf zu bestehen. Auch wenn im Zusammenhang mit Yoroi Kumi-Uchi von einem Nah- bzw. Ringkampfsystem die Rede ist, bedeutet dies nicht, daß wir es hier mit Techniken zu tun haben, die hauptsächlich unbewaffnet durchgeführt wurden. In Zeiten der aktiven Kriegsführung wäre der Verzicht auf Waffen ein geradezu selbstmörderischer Ansatz gewesen. Im Yoroi Kumi-Uchi war der Einsatz von Waffen also durchaus üblich, und es wurden - neben den bekannteren wie z.B. dem Kodachi - auch Waffen wie der Yoroi-Doshi, eine Klinge, die speziell im Rüstungskampf zum Einsatz kam, benutzt. Die Bushi verwendeten den Yoroi- Doshi im Zweikampf, um die durch die Rüstung nicht oder nur leicht geschützten Körperpartien anzugreifen. Getragen wurde er an der rechten Hüfte, wobei es meist die linke Hand war, die den Yoroi-Doshi mit "ins Spiel" brachte. Die Effektivität, die dem Yoroi Kumi-Uchi zugrunde
liegt, entstand durch den starken Einsatz der Hüften, bzw.
des gesamten Köpers und durch eine besondere Art des
Greifens. Diese als Yotsu-Gumi bezeichnete
Technik (beide Kämpfer standen sich gegenüber und
benutzten eine symmetrische, vierhändige Methode des
Greifens), die aus dem Sumai, dem Vorläufer
des Sumo stammt, ermöglichte es dem Krieger seinen
Kontrahenten zu kontrollieren, ohne ein direktes Fassen der
Kleidung bzw. Rüstung vorauszusetzen. Yoroi Kumi-Uchi ist auch heute noch - teilweise unter anderer Bezeichnung - Bestandteil verschiedenster traditioneller Ryu, wie z.B. der Sekiguchi Shinshin-Ryu, Tatsumi-Ryu, Yagyu Shingan-Ryu etc. *- Historisch nicht ganz korrekt, da zwischen 1573 und 1600 noch die als Azuchi Momoyama bezeichnete Zeit lag, in der vor allen Dingen drei Feldherren von entscheidender Bedeutung waren: Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu - Script: Rüdiger Meier |
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